PokerStars Knockout SNGs

PokerStars Knockout SNGs – Einfluss des Kopfgelds auf das ICM

PokerStars Knockout SNGsKnockout Turniere erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, da die Jagd nach Kopfgeldern Multi Table Turniere noch spannender und unterhaltsamer machen. Auf der Strategie-Seite zu Multi Table Knock Out SNGs haben wir für euch bereits viele Tipps zu diesem Turnierformat gegeben. Hier werde ich euch aber die Einzeltisch Knockout SNGs von PokerStars einmal genauer vorstellen und mir dabei anschauen, inwieweit das Kopfgeld das ICM beeinflusst.

Für Fans von Kopfgeldturnieren sind die PokerStars Knockout SNGs perfekt für das ein oder andere Spiel zwischendurch. Statt sich für ein größeres Turnier mehrere Stunden Zeit nehmen zu müssen, braucht ihr für ein Knockout SNG nur ungefähr eine Stunde. Die PokerStars Knockout SNGs werden mit 9 Spielern gespielt und zu den regulären Blinderhöhungen steht euch auf allen Limits auch eine Turbo Variante zur Verfügung. Bei den Startgebühren ist für jede Bankroll etwas dabei, folgende Buy-Ins sind für dieses Turnierformat vorhanden: $1,50; $3,50; $7; $15; $30; $60; $100 und $200. Dabei geht ca 80% eures Buy-ins in den Preispool, der nach Standard an die ersten drei Plätze ausbezahlt wird, die restlichen 20% bilden euer Kopfgeld

Wie beeinflusst aber nun das Kopfgeld unsere Strategie für dieses SNG? Zunächst solltet ihr wie bei jedem anderen SNG auf Sieg spielen, um den größten Teil des gesamten Preispools zu gewinnen. Andere Spieler, vor allem auf den unteren Limits, tendieren aber dazu gleich von Beginn an nach den Kopfgeldern zu nachjagen. Allein die Aussicht auf ein Kopfgeld lässt viele schlechte Spieler leichtfertig alle Chips in die Mitte schieben. Oft reicht diesen Spieler schon ein Top Pair aus, um damit um den ganzen Stack zu riskieren. Verhaltet euch in der Anfangsphase tight und wartet auf eure Chance. Wenn später die Blinds gestiegen sind und der ein oder andere Spieler nur noch einen short Stack besitzt, kann deren Kopfgeld dazu führen, dass die Beteiligten Spieler sich nicht auf ein Kooperation-Play, also das herunter-checken der Hand einlassen.

Interessant wird es allerdings in der späten Phase bzw an der Bubble. Hier steht ihr meist nur noch vor der Entscheidung: All In oder Fold. Die Antwort auf diese Frage gibt euch das ICM (Independent Chip Model). Im folgenden setze ich die Grundkenntnisse des ICM voraus – wer mit diesem mathematischen Modell noch nicht vertraut ist, sollte sich hier zunächst den Artikel "Einführung in das Independent Chip Model" anschauen.

Wie beeinflusst nun das Kopfgeld unsere Entscheidung für unser All In? Durch das zusätzlich zu gewinnende Kopfgeld ist ein Call eines All Ins natürlich attraktiver – wie weit dürfen wir aber unsere Calling-Range erweitern, um weiterhin nach dem ICM korrekte Entscheidungen zu treffen. Dazu ein kleines Beispiel (die Rundungsfehler beeinflussen das Ergebnis nur minimal):

 

An der Bubble eines $3.50 Knockout SNG besitzen die Spieler folgende Chipstacks und dementsprechende Preispool-Equity (der reguläre Preispool beträgt bei diesem Turnierformat $23,04)

Spieler 1 3700$6,43
Spieler 2 5200 D$7,58
Spieler 3 1400 SB$3,09
Spieler 4 3200 BB$5,94

Spieler 1 und 2 folden, Spieler 3 geht am Small Blind All In und Spieler 4 muss sich jetzt nun für einen Call oder Fold entscheiden. Bei einem regulären Sit&Go würde die Betrachtung wie folgt aussehen. Zunächst müssen wir Spieler 3 eine Range von Händen geben, mit der er All In gegen würde. In diesem Fall gehen wir davon aus, dass er bei Blinds von 100/200 und einen short Stack von nur noch 1400 als sehr aggressiver Spieler gewillt ist, um mit jeder beliebigen Hand einen Aufdoppler zu suchen.

Nun müssen wir anhand des ICM errechnen, mit welcher Range von Händen wir callen dürfen, um langfristig profitabel zu spielen. Dazu schauen wir und die Preispool Equity eines Folds und eines Calls mit gleichzeitigem Gewinn der Hand an. Im Falle des Folds verliert Spieler 4 seinen Big Blind – mit nur noch 3000 Chips sinkt seine Preispool Equity leicht von $5.94 auf $5,66. Gewinnt er aber den Showdown, so verfügt er über 4600 Chips und eine Equity von $7,35. Setzt man diese Werte ins Verhältnis, finden wir heraus, dass Spieler 4 mit seiner Hand Range gegenüber der Range von Spieler 3 zu mindestens:

((EqFold/EqWin)*100) = (($5,66/$7,35)*100) = 77% Favorit sein muss.

Welche Range hat also gegenüber Any Two eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 77%? Dies sind überraschenderweise nur Paare JJ+. Nicht einmal AKs ist bei diesem Call profitabel.

Wie verändert aber das zusätzlich zu gewinnende Kopfgeld von Spieler 3 diese Berechnung? Die Werte für die Preispool Equity bleiben die gleichen, es muss nur noch das Kopfgeld von $0,64 zum EqWin addiert werden.

((EqFold/EqWin)*100) = (($5,66/$7,99)*100) = 70,8%

Wie erwartet benötigen wir eine weniger starke Hand Range, um profitabel zu callen. Gegen die Any Two Range des Spieler 3 kann Spieler 4 nun allen Paaren 99+ callen. Trotzdem bleib unsere Calling Range immer noch sehr tight.

Eine  Einführung In 6-Max Sit N Go Strategie

Fazit

Lasst euch vom Kopfgeld nur in so weit beeinflussen, dass ihr die korrekten Anpassungen an das ICM vor nehmt. Vor allem auf den unteren Limits tendieren die anderen Spieler dazu, das Kopfgeld massiv zu überbewerten und begehen dadurch noch größere Fehler, als schon in den regulären Sit and Go´s.

 

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